Willkommen beim GemeindereferentInnen Bundesverband!

Solidarität mit der Initiative #OutInChurch

Sicherlich haben Sie in den Medien den Dokumentarfilm „Wie Gott uns schuf“ gesehen oder zumindest von ihm gehört. Dieser Film stellt uns als katholische Kirche einmal mehr in einem Licht dar, in dem wir nicht stehen wollen! Er ist in der Mediathek der ARD weiterhin abrufbar.

Mit der Initiative #OutInChurch treten heute viele Haupt- und Ehrenamtliche an die Öffentlichkeit, um auf die unsägliche Situation von LGBTQI+-Personen in der katholischen Kirche aufmerksam zu machen und der Thematik ein persönliches Gesicht zu verleihen. Der Initiator der Aktion, Jens Ehebrecht-Zumsande, Referent im Generalvikariat des Erzbistums Hamburg, erklärt hierzu, dass viel zu oft abstrakt über die Betroffenen gesprochen wird. Im Rahmen von #OutInChurch werden diejenigen, um die es geht, selbst hörbar und sichtbar.

Sichtbar werden ist in diesem Zusammenhang gefährlich! Nicht nur kommt es zu Anfeindungen, sondern es droht der Verlust des Arbeitsplatzes, der beruflichen Existenz und damit der Lebensgrundlage, denn in vielen Diözesen ist es nicht gewünscht, dass LGBTQI+-Personen in Erscheinung treten, vor allem nicht in der Pastoral! Gemeinde-, Pastoral- und Jugendreferent:innen sind damit besonders angreifbar. Um den Beruf ausüben zu dürfen, den sie lieben, müssen sie sich selbst täglich verleumden und ein Leben in Angst führen. Der Mut, den diese Kolleg:innen aufbringen, in dem sie ihre Stimme erheben, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wir stellen uns hinter sie!
Der vorherrschende eklatante Missstand ist für uns nicht akzeptabel und muss aufgelöst werden! Menschen aus aller Welt schütteln schon lange nur noch den Kopf darüber, welche absurde, überholte Haltung die katholische Kirche diesbezüglich an den Tag legt! Für die breite Mehrheit unserer Gesellschaft ist dies schon lange kein Thema mehr. Weil sie mit beruflichen und privaten Konsequenzen rechnen müssen, gibt es auch in der Diözese Rottenburg-Stuttgart momentan keine offiziell geouteten Mitarbeitenden im pastoralen Dienst. Andere Diözesen sind hier schon weiter.
Wir fordern sie deshalb auf, dass auch in unserer Diözese ein offener Umgang mit der eigenen Sexualität möglich sein muss! In einer Institution der Nachfolge Jesu Christi, die das Prinzip der Nächstenliebe als ihr Fundament begreift, darf es nicht sein, dass Menschen diskriminiert werden, weil sie jemanden lieben. Niemand sollte Angst haben aus der Pastoral in andere Aufgabenbereiche abgeschoben zu werden oder gar seinen Arbeitsplatz zu verlieren, bloß, weil er zu sich steht! Das Manifest der Initiative zielt mit seinen Forderungen u. a. darauf ab,

  • diffamierende Aussagen der kirchlichen Lehre zu Geschlechtlichkeit und Sexualität auf Grundlage theologischer und humanwissenschaftlicher Erkenntnisse zu revidieren;
  • das kirchliche Arbeitsrecht so zu ändern, dass ein Leben entsprechend der eigenen sexuellen Orientierung und der geschlechtlichen Identität, auch in einer Partnerschaft beziehungsweise Zivilehe,  weder zum Ausschluss von Aufgaben und Ämtern noch zur Kündigung führt;
  • dass die Kirche in Riten und Sakramenten sichtbar macht und feiert, dass LGBTIQ+-Personen und - Paare von Gott gesegnet sind.

Diesen Forderungen schließen wir uns an und erwarten nachdrücklich von unserer Diözesanleitung, dass sie zeitnah Stellung bezieht und handelt! Ein Schweigen ohne eindeutig Position zu beziehen, können wir nicht akzeptieren. Es erschüttert unsere Arbeit in der Pastoral und schädigt unsere Botschaft zutiefst!

Im Namen der drei Berufsverbände
Martin Doll, Sprecher Berufsverband der Jugendreferent:innen

Peter Lendrates, Vorsitzender Berufsverband der Pastoralreferent:innen

Ursula Renner, Sprecherin Berufsverband der Gemeindereferent:innen

berufsverbände drs
(erstellt: 26. January 2022)