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Auszüge aus dem aktuellen Magazin


Die Idee, dass die Vernunft nur in Europa herrscht, ist sehr arrogant!

von

Dr. Laura Räuber im Gespräch mit Philosophiehistoriker Dag Nikolaus Hasse

Herr Hasse, Sie stellen in Ihrem Buch „Was ist europäisch?“ das europäische Selbstverständnis in Frage. Was hat Sie dazu bewogen, diesen Essay zu schreiben?

Ich habe über die Jahre beobachtet, wie stark der Begriff „Europa“ heutzutage aufgeladen wird und mich als Historiker unwohl gefühlt mit der Verwendung des Europabegriffs in den aktuellen politischen Diskursen.
Beispielsweise, wenn ein christliches Europa verteidigt werden soll gegen Einflüsse, von denen man meint, sie gehören nicht dazu; oder wenn von Zuwanderinnen und Zuwandern gefordert wird, sie sollen die Aufklärung
nachholen. Deshalb wollte ich versuchen, als Wissen schaftler zu klären, wie sich der Europabegriff entwickelt hat.

Ihr Buch entstand vor dem russischen Angriff auf die Ukraine. Manchmal ist heute als Reaktion auf Putins Aggression von der Verteidigung westlicher Werte die Rede. Wie schätzen Sie das ein?

Ich denke, es ist sehr bedenklich, wenn wir uns auf dieses Vokabular einlassen. Wenn wir den Krieg als Kulturkampf beschreiben – also als Verteidigung europäischer Werte gegen den russischen Aggressor, als einen clash of civilizations –, hat das ganz bedenkliche Folgen. Es verschleiert, dass es sich um einen politischen Konflikt handelt: Putin ist ein Gewaltherrscher, und wir brauchen alle Demokraten dieser Welt, um die Friedensordnung nach 1945 zu verteidigen. Das hat nichts mit westlichen oder europäischen Werten in erster Linie zu tun, so wie uns Putin das weismachen will. Herrscher wie Putin oder Assad muss man anders bekämpfen.

Sie beginnen Ihren Essay mit Geographie und schreiben: „Der heutige Begriff des Kontinents Europa ist ein Produkt von mehr als 2.500 Jahren geographischer Traditionen und Diskussionen.“
Können wir also gar nicht von einem geographischen Raum Europa sprechen?

Doch. Wir müssen uns nur klarmachen, dass das eine Konvention ist, die über viele Jahrhunderte entstanden ist. Aber sie ist vergleichsweise stabil: Die Meerenge von Gibraltar, der Bosporus, die Dardanellen und das Mittelmeer wurden schon sehr lange als Grenzen Europas nach Süden beschrieben; als Ostgrenze setzten sich seit dem 18. Jahrhundert das Uralgebirge und der Uralfluss durch. Wenn wir das mit kulturellen oder politischen Europabegriffen vergleichen, sind diese viel instabiler und auch später entstanden. Im Mittelalter galt Asien als bester Erdteil.

In der Folge wurde immer stärker eine kulturelle Sonderstellung Europas in der Welt betont. Wie hat sich dieser Wandel vollzogen?

Ja, im Mittelalter war Asien der vor nehmste Weltteil. Wie konnte es auch anders sein? Jerusalem liegt in Asien, das irdische Paradies ebenso. Das kalte Europa war second best. Erst um 1700 wird ein kultureller Europabegriff populär, der Europa als überlegen beschreibt. In der Folge entstehen im 18. Jahrhundert Diskussionen darüber, ob z. B. das Osmanische Reich und Russland zu Europa gehören. In diesen Fragen waren sich die Gelehrten und auch die Politiker sehr uneinig. Das ist der Nachteil von kulturellen Europabegriffen: Es kommt zu Ausgrenzung. Und man kann erkennen, dass dieses Überlegenheitsdenken eine Folge der Erfahrung ist, Kolonialmacht zu sein. Also der Erfahrung: Wir sind der Kontinent, der andere Kontinente beherrscht. Diese Einstellung hat sehr viele Folgen – bis heute.

Wie äußert sich dieses Überlegenheitsgefühl?

Die Idee, dass die Vernunft nur in Europa herrscht, ist sehr arrogant, und ein Teil davon ist auch heute noch wirksam...

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Viola Kohlberger
Viola Kohlberger

Pfadfinder um ein Lagerfeuer.
Pfadfinder um ein Lagerfeuer.

Bischöfe lehnen Kandidatur von Viola Kohlberger ab

von

Regina Nagel

Ein Affront gegen die Bewerberin und engagierte junge Leute der DPSG(Deutsche Pfadfinder*innenschaft St. Georg)

Am 25.04.2024 meldete die Katholische Nachrichtenagentur:„Das Amt der BundeskuratinderDeutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG)wird bei der Bundesversammlung desVerbands im Mai nicht besetzt werden. Wie die DPSG am Donnerstag auf der PlattformInstagram mitteilte, erhielt die einzige Kandidatin Viola Kohlberger (32) nicht die erforderlicheMehrheit beim Ständigen Rat der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), um für das Amt dergeistlichen Begleiterin zu kandidieren. Dies bestätigte Kohlberger auf Anfrage derKatholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Sie ist seit 2021 Kuratin der DPSG im BistumAugsburg und dort auch angestellt. Parallel absolviert sie ein Promotionsstudium inKirchengeschichte.“

Die Meldung der KNA, wie auch viele, die diese Entscheidung kommentiert haben, siehteinen Zusammenhang zu Auseinandersetzungen zwischen Viola Kohlberger und einzelnenBischöfen (Woelki und Voderholzer) im Rahmen des Synodalen Wegs. Dass es nicht nureinzelnen Bischöfe sind, die V. Kohlberger zurückweisen und damit auch die DeutschePfadfinderschaft Europas vor den Kopf stoßen, zeigt das Abstimmungsergebnis. DieAbstimmung war geheim, die DBK und alle Bischöfe hüllen sich in Schweigen. JoschkaHench, der zum Zeitpunkt der Abstimmung DPSG-Bundesvorsitzender war, schreibt in einemStatement bei„Kirche und Leben“am 26. April, dass„die Bischöfe Bertram Meier ausKohlbergers Heimatdiözese Augsburg, DPSG-Kontaktbischof Gerber und JugendbischofJohannes Wübbe aus Osnabrück Plädoyers für die Annahme der Kandidatur von ViolaKohlberger gehalten haben.“

Was ist da passiert? Wodurch ist es den Gegnernvon Viola Kohlberger gelungen,mindestens die Hälfte der Bischöfe dafür zu gewinnen, eine solche Entscheidung zu treffen?Welche Argumente haben sie vorgebracht,konnten sieMachtmittel einsetzen? Geht es ummehr als um die Vorkommnisse beim Synodalen Weg?Soll verstärktevangelisierendeJugendarbeitgefördert werden,anstelle von auch politischer Jugendarbeit? Man weiß esnicht, die Fragen dazu sollten allerdings nicht verstummen.

Viola Kohlberger selbst sagte ineinem Interview im evangelischen Sonntagsblatt:"Ich glaube, es geht schon auch darum, dass ich immer wieder öffentlich Kritik geübt habean einzelnen Bischöfen und natürlich auch an der Bischofskonferenz im Gesamten.Insbesondere an Bischöfen, die ihre Macht missbrauchen, auch mir gegenüber. Und ichdenke, gerade diejenigen Männer, die ihr Amt nicht mehr von ihrer Person trennen können,sehen eine Kritik am Amt oder ihrer Amtsführung natürlich auch immer als Kritik an ihrerPerson. Und das ist halt superschwierig."

Von verschieden Seiten folgen Statements, die die Entscheidung der Bischöfe kritisieren

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