Willkommen beim Bundesverband der Gemeindereferent*innen Deutschlands e.V.

Auszüge aus dem aktuellen Magazin


„Die Diskussion zur Rolle der Frau war einer der stärksten Momente dieser Synode“I

von

Regina Nagel im Interview mit Weltsynodalin Helena Jeppesen-Spuhler 

RN: Liebe Helena, vier Wochen lang warst du in Rom. Vier Wochen Stuhlkreis, zuhören, schweigen, erneut zuhören. Vier Wochen voller Begegnungen mit Katholik*innen aus aller Welt – in der Synodenaula, aber auch im Kontakt mit verschiedenen Reformgruppen, mit Journalist*innen und Zufallsbekanntschaften. Vor Beginn der Synode sagtest du in einer Onlineveranstaltung, dass du nach der Veröffentlichung des Missbrauchsberichts in der Schweiz kurz überlegt hast, ob du überhaupt teilnehmen sollst. Gut, dass du es getan hast! Zwischendurch waren von dir verhalten hoffnungsvolle Aussagen zu hören oder zu lesen. Näher auf Inhalte durftet ihr alle laut päpstlicher Anweisung nicht eingehen und vermutlich erwartet er auch nach der Versammlung Verschwiegenheit. Gegen Ende der Synodenzeit wurdest du in einem Interview gefragt, wie du die weiterhin bestehende Verzögerung von Reformen bewertest. Deine Antwort lautete: „Es ist zu spät.“ Im nächsten Satz schon hast du die Aussage relativiert. Du wirst dich im Rahmen deiner Möglichkeiten und konkreten Tätigkeit weiterhin für Reformen starkmachen, um Menschen in und mit der Kirche gute Erfahrungen zu ermöglichen.

Ich führe das Interview mit dir für eine Berufsgruppe, die zu 70% aus Frauen besteht, die in unserer Kirche hochengagiert in vielen pastoralen Bereichen arbeiten. Du selbst kennst diesen Beruf, auch du hast Religionspädagogik studiert und hast bis vor 20 Jahren in der Pfarreiseelsorge und als Katechetin gearbeitet. Realistisch betrachtet ist es heute so, dass viele von uns Gemeindereferent*innen keine großen Hoffnungen mehr auf eine echte Reform dieser Kirche haben. Die Ergebnisse des Synodalen Wegs in Deutschland wurden in unserem Verband ernüchtert zur Kenntnis genommen. Viele lieben ihren Beruf und leiden gleichzeitig in und an dieser Kirche. Sie fühlen sich hinein verstrickt in ein Machtmissbrauchssystem und machen sich Sorgen über innerkirchliche fundamentalistische Entwicklungen. Struktur und Lehre der Kirche selbst bergen zu diesen Problembereichen Gefahren in sich. Hoffnung und Zweifel nehme ich wahr unter Kolleg*innen, ob in synodalen Wegen und auch dieser Weltsynode tatsächlich Chancen auf Veränderung hin zu einer menschengerechten Kirche liegen.

Ich freue mich, dass du bereit bist zu einem Interview und bin gespannt auf deine Antworten. Ich werde zunächst ein paar allgemeine Fragen stellen und danach auf das Synodenpapier zu sprechen kommen.

Seit gut ein paar Tagen bist du wieder in der Schweiz eingetroffen. Woran denkst du besonders gern zurück, wenn du dich an die Wochen in Rom erinnerst?

HJ-S: Ich denke besonders gern zurück an die vielen Menschen aus der ganzen Welt, die mir lieb geworden sind innerhalb dieser vier Wochen und bei denen ich gespürt habe, dass wir gemeinsam unterwegs sind für die Reformen in der katholischen Kirche.

RN: Du selbst bist Religionspädagogin. Du warst aber nicht gezielt als Vertreterin pastoral tätiger Lai*innen eingeladen. Theologisch qualifizierte Profis in der Pastoral waren nicht eigens vertreten und doch waren sicher einige bei der Synode dabei. Haben sich Synodale in dieser Rolle zu Wort gemeldet? Gab es Vernetzungen?

HJ-S: Ich bin zwar seit 20 Jahren in der Entwicklungshilfe tätig, bin aber immer noch nahe dran an der Pastoral und an den Menschen, die in der Schweiz in der Pastoral arbeiten, weil ich mich dort auch für die synodalen Prozesse eingesetzt habe. Auch für die kirchlichen Hilfswerke sind Reformen übrigens unbedingt wichtig, weil wir sonst in unseren Botschaften nicht mehr glaubwürdig sind für die Menschenrechte. Wir brauchen interne Reformen. In der Versammlung war es zum Teil schwierig zu sehen, wo die nichtbischöflichen Delegierten überall tätig sind. Es waren aber auf jeden viele da, die in der Pastoral tätig sind oder auch in der Ausbildung. Darunter waren viele Frauen, zum Beispiel solche, die katechetische Institute leiten oder sonst Menschen ausbilden in der Kirche. Einige von ihnen sind aber auch direkt in der Pastoral tätig und die haben sich schon auch in dieser Rolle zu Wort gemeldet. Das war gut, weil viele Kardinäle und Bischöfe doch weit weg sind von der Basis.

RN: Das wird die Leser*innen freuen, denn vielen Kolleg*innen in den pastoralen Lai*innenberufen ist es wichtig, dass wir im Rahmen der Synode wahrgenommen werden.

HJ-S: Ja, das wurde wahrgenommen! Und es kamen in dem Zusammenhang auch mehrmals Hinweise auf Priester, die ein Problem sind in Reformprozessen. Viele machen nicht mit in synodalen Prozessen und da sind die Leute angewiesen auf andere Personen, die in der Pastoral arbeiten und die Prozesse ermöglichen und begleiten. Gerade solche Leute müssen in der Synodalversammlung gut vertreten sein.

RN: Ebenfalls nicht eingeladen waren Betroffene von sexuellem oder auch spirituellem Missbrauch und bis auf James Martin als einem, der sich für LGBTQ+-Menschen einsetzt, ohne jedoch die Lehre ändern zu wollen, war auch diese Community nicht offiziell vertreten. Rein statistisch betrachtet ist aber davon auszugehen, dass auch in der Synodenaula queere Menschen dabei waren und ebenso von sexuellem Missbrauch betroffene Menschen. Haben sich aus diesen Gruppen Personen aus diesem Hintergrund heraus zu Wort gemeldet?

HJ-S: Zum Thema „Missbrauch“ möchte ich insgesamt sagen: Das wurde von Anfang an erstaunlich oft thematisiert. Das ist ein gravierendes Problem in der ganzen Weltkirche und erstaunlicherweise sind die Teile im Schlussdokument, die Kontrolle und Gewaltenteilung ermöglichen sollen, mit ganz wenig Gegenstimmen angenommen worden. Das hat mich sehr erstaunt. Ich hätte gedacht, dass es mehr Widerstand gegen strukturelle Änderungen, die wir dringend brauchen, geben würde. Hat es aber nicht gegeben und das heißt wohl, dass da wirklich überall große Probleme sind und die Bischöfe sehen, dass sie wirklich etwas machen müssen.

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Ordinariatsrätin Ute Augustyniak-Dürr
Ordinariatsrätin Ute Augustyniak-Dürr

Schalom und Salam 

von

Marike Schneck, Stabsstelle Mediale Kommunikation der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Interview mit Ordinariatsrätin Ute Augustyniak Dürr

„Es gibt kein Schalom ohne Salam. Und es gibt kein Salam ohne Schalom“, sagt Ordinariatsrätin Ute Augustyniak Dürr. Sie leitet die Hauptabteilung Schulen in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Von 2004 bis 2010 lebte sie mit ihrer Familie in Beit Jala, nahe Betlehem, im Westjordanland. An der christlich-palästinensischen Schule Talitha Kumi unterrichtete Augustyniak-Dürr Deutsch und begleitete als Theologin interreligiöse Projekte. Als Mutter zweier Kinder, von denen eines in Israel zur Schule ging, das andere im palästinensischen Autonomiegebiet, war sie auf beiden Seiten der Mauer eng in die Schul- und Elterngemeinschaft eingebunden. Im Interview spricht sie über die aktuelle Eskalation in Nahost, über ihr Leben in Israel und Palästina und über die Fassungslosigkeit, die sie angesichts des andauernden Leids der Menschen in dieser Region immer wieder erfasst.

Was empfinden Sie, wenn Sie die Nachrichten verfolgen?

Nach der ersten Schockstarre, der Fassungslosigkeit und dem Entsetzen ist es jetzt vor allem ein tiefes Mitgefühl mit den leidenden Menschen, den Menschen in Israel, den Geiseln, der unschuldigen Zivilbevölkerung von Gaza. Die Polarisierung, die derzeit in vielen Medien vorgenommen wird, ist nur ein hilfloser Versuch, die Lage für sich beherrschbarer zu machen, indem man wenigstens meint beurteilen zu können, wie Schuldige und Unschuldige einzuteilen und auf welcher Seite die Guten und auf welcher die Bösen sind. Für uns als Familie ist es schwer auszuhalten, dass wir ohnmächtig vor dieser schrecklichen Situation stehen und nichts als Traurigkeit fühlen darüber, was Menschen in diesem heiligen unheiligen Land angetan wird und was zu erleiden ist.

Sie haben lange in der Region gelebt. Wie beurteilen Sie die Lage?

In den sechs Jahren unseres Lebens mit zwei kleinen Kindern auf der Grenze zwischen Israel und den palästinensischen Autonomiegebieten von 2004 bis 2010, in der auch wir einen Gaza-Krieg erlebt haben, habe ich eines gelernt: Es zeigt sich immer noch einmal eine neue Wirklichkeit hinter der vordergründigen. Schon Israelis und Palästinenser als jeweils homogene Gruppe zu sehen ist falsch.

Wir müssen also genauer hinschauen?

Ja, so einfach, wie es sich viele derzeit machen, ist es leider nicht. Je differenzierter man hinschaut, je mehr Kenntnisse man hat, desto unüberschaubarer wird die Lage, desto mehr Facetten gibt es zu beachten: geopolitische, historische, wirtschaftliche, machtpolitische, ethnische, religiöse, psychologische. Oft blieb uns als Familie dort nur ein Kopfschütteln, wenn uns jemand mit einfachen Worten nach einem zweiwöchigen Besuch im Heiligen Land den Nahostkonflikt erklären wollte, den man vermeintlich „klar auf der Hand liegen“ sehe.

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