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Auszüge aus dem aktuellen Magazin

Dr. Katrin Brockmöller
Direktorin Katholisches Bibelwerk e.V.
Beraterin im Forum 4 des synodalen Weges
Dr. Katrin Brockmöller Direktorin Katholisches Bibelwerk e.V. Beraterin im Forum 4 des synodalen Weges


Stört die Liebe nicht …

von Dr. Katrin Brockmöller

Biblische Texte als Impulse in Fragen der Sexualmoral

Das Forum 4 im Synodalen Weg trägt den Titel: „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft “ und fordert in seiner Selbstbeschreibung eine stärkere Berücksichtigung der Erkenntnisse aus Theologie und Humanwissenschaft in der Sexualmoral der Katholischen Kirche.

Nun sind zwar die Disziplinen Moraltheologie, Dogmatik und Kirchenrecht scheinbar die ersten Anlaufstellen für diese Fragen. Auch sie greifen in ihrer Argumentation zumindest auch auf Bibeltexte zurück. Daher lohnt es sich, gerade in diesem Feld möglichst den aktuelle exegetische Forschungsstand zu kennen. Dieser Artikel versucht eine Orientierung zu bieten, wie Bibeltexte uns in Fragen der Sexualmoral, die wirklich alle Menschen berühren, Orientierung geben können.

Wie Bibeltexte lesen?

Grundsätzlich sind bei der Suche nach Antworten auf unsere modernen Fragen in der Heiligen Schrift immer hermeneutische Vorklärungen notwendig:

1) Welches Interesse verfolgt der Text/der Schreiber oder die Schreiberin eines Textes?

2) Mit welchem Motiv, mit welchen Erwartungen, mit welcher Perspektive und mit welchem Ziel lese ich?

Zu 1) Jeder biblische Text ist in einem bestimmten historischen Kontext entstanden. Daher lassen sich auch so gut wie immer Rückschlüsse auf die jeweiligen sozialen, politischen und religiösen Normen oder Konventionen der Textentstehung erschließen. Deshalb ist die historische Perspektive unverzichtbar: Welche Strategie vertritt ein Text in seinem „Textumfeld“ von antiken Leserinnern und Lesern oder auch im Zusammenspiel mit anderen biblischen Texten? Zielt ein Text darauf ab, dass sich Leserinnen und Leser mit einer bestimmten Perspektive identifizieren, löst er inhaltliche Distanzierung aus oder will er vielleicht neue Ideen zu einer Diskussion beitragen?

Wie und was ein Text zu einer modernen Fragestellung beitragen kann, braucht daher unbedingt einerseits diese historischen Klärungen und zugleich auch die Klärung, wie sich ein Text im gesamten Kanon und seiner Vielstimmigkeit positioniert.

Zu 2) Erst dann sind in sinnvoller Weise die Fragen legitim, was wir heute davon lernen können. Wie vernehmen wir heute darin Gottes Wort? Mit welchem Ziel bringen wir bestimmte Texte nach vorne und legen andere beiseite?

Die Päpstliche Bibelkommission hat das zuletzt im Dokument „Inspiration und Wahrheit der heiligen Schrift“ (2014) S. 132 im Blick auf ethische und soziale Fragen so formuliert: „Einige biblische Abschnitte laden dazu ein, darüber nachzudenken, … was ewig gültig ist und was, weil es an eine Kultur, eine Zivilisation oder die Kategorien einer bestimmten Zeit gebunden ist, zu relativieren wäre.“

Beispiel 1: sex ≠ gender – von biologischen und sozialen Geschlechtsidentität(en) nach Gen 1,27

Immer wieder wird in Diskussionen um sex und gender aus dem ersten Kapitel der Bibel zitiert: „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn. Männlich und weiblich erschuf er sie“ (Gen 1,27). Im Unterschied zu vielen anderen Bibelausgaben übersetzt die revidierte Fassung der Einheitsübersetzung hier nicht wie gewohnt „als Mann und Frau schuf er sie“, sondern folgt dem hebräischen Text und beschreibt die Geschlechtsidentitäten der Gattung Mensch mit den Adjektiven: männlich und weiblich. Aus historischer Perspektive ist völlig unstrittig, dass die Autoren und Autorinnen des Schöpfungsliedes in Gen 1 von einer exklusiv heterosexuellen biologischen Geschlechteridentität ausgingen. Auch die sozialen Geschlechterrollen waren kulturell eindeutig binär voneinander abgegrenzt. Ja, das ganze Lied (Gen 1,1-2,3) ist geprägt von der Welterkenntnis im fruchtbaren Halbmond des 6. Jh. v. Chr. – und nur in fundamentalistischen Kreisen, wird dieser Text als faktischer „Bericht“ geglaubt. Den Text als antiken Text, in seiner spezifischen Sprachform und Gattung sowie seinem vorderasiatischen Welt- und Menschenverständnis ernst zu nehmen, das ist die Grundlage, auf der jedes Gespräch, jedes Zitat und jede Aussage zur Sexualmoral verortet sein muss.

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Gregor Podschun
Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Kath. Jugend (BDKJ)
Gregor Podschun Bundesvorsitzender des Bundes der Deutschen Kath. Jugend (BDKJ)

In Freiheit und Verantwortung

von Gregor Podschun

Die Position der katholischen Jugendverbände zu Liebe, Sexualität und Partnerschaft

In den katholischen Jugendverbänden ist es keine Neuigkeit, dass junge Menschen die katholische Sexualmoral in großen Teilen ablehnen. Insbesondere in der Haltung zu gleichgeschlechtlichen Partnerschaften, als auch beim Verbot von vorehelichen Geschlechtsverkehr vertreten viele junge Menschen schlicht eine andere Auffassung. Mit der Veröffentlichung der MHG-Studie hat die Debatte zu Liebe, Sexualität und Partnerschaft in der katholischen Kirche eine neue Brisanz bekommen.

Die Studie zeigt die Notwendigkeit die kirchliche Lehre zur Homosexualität zu überdenken, damit Struktur- und Risikomerkmale, welche sexualisierte Gewalt begünstigen, beseitigt werden können. Damit ist eine Betrachtung der Konzeption der kirchlichen Lehre zu Sexualität und Partnerschaft insgesamt unabdingbar. Aus diesem Grund wurde im Synodalen Weg das Synodalforum „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ ins Leben gerufen, in welchem auch Vertreter*innen des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) mitarbeiten. Sexualität und Partnerschaft gehört grundlegend zur eigenen Existenz und Identität des Menschen, welche eine wichtige Rolle in der Lebensrealität junger Menschen spielt.

Selbstbestimmung junger Menschen stark machen

Eine kirchliche Sexualmoral muss sich an Werten einer Beziehungsethik nach dem Evangelium orientieren. Die katholischen Jugendverbände teilen diese Werte: „Treue und Verantwortung, die Achtung der Würde und der Grenzen des Gegenübers, Einvernehmlichkeit, Gegenseitigkeit, Gleichheit, Unversehrtheit“. Außerdem muss sie die Erkenntnisse der Humanwissenschaften berücksichtigen und die Lebenswirklichkeit und Erfahrungen der Menschen einbeziehen. Denn eine kirchliche Sexualmoral kann nicht losgelöst von den Menschen betrachtet werden, die Sexualität gestalten und leben. Der Abschied von einer fremdbestimmten, vorgegebenen und durch Verbote reglementierten Sexualmoral ist daher zwingend notwendig. Menschen verhalten sich erst dann ethisch, wenn sie aus eigenem Entschluss, kritisch und in eigener Verantwortung handeln. Die kirchliche Lehre muss daher die Ermutigung zur Bestimmung der eigenen Freiheit in Verantwortung in den Mittelpunkt stellen. Die Kirche muss das Zutrauen in junge Menschen haben, dass sie kompetent eine eigene Gewissensentscheidung treffen können. Die katholische Kirche sollte sie in der Gewissensbildung begleiten und sie zu einem eigenständigen Urteil ermuntern.

Dies ergibt sich nicht nur aus ethischen, sondern auch aus theologischen Gründen. Der Mensch wurde als freies Gegenüber Gottes geschaffen. Gottes Entschluss den Menschen unbedingt zu lieben bedeutet, ihn als uneingeschränkt frei anzuerkennen. „Von daher ist es gerade aus theologischer Sicht gefordert, die menschliche Fähigkeit und Aufgabe zur Selbstbestimmung als den grundlegenden und unhintergehbaren Ausgangspunkt auch der Sexualpädagogik zu benennen.“

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