Willkommen beim Gemeindereferentinnen Bundesverband!

Auszüge aus dem aktuellen Magazin

Nüchtern gestalten

von Regina Nagel

Studie von Dr. Andrea Qualbrink zu Frauen in kirchlichen Führungspositionen

Im Frühjahr 2012 habe ich mich im Zusammenhang mit der Vorbereitung meiner Bachelorthesis im Studium der Wirtschaftspsychologie sechsmal auf den Weg gemacht, um Frauen in kirchlichen Führungspositionen zu besuchen und zu interviewen. Meine Reisen führten in verschiedene deutsche Diözesen und bis nach Österreich. Es waren Begegnungen, die mir bis heute intensiv in Erinnerung sind. Bei aller Unterschiedlichkeit der Personen und ihrer jeweiligen Leitungsaufgaben war ich jedes Mal beeindruckt von der Persönlichkeit, den Erfahrungen und Überlegungen, die mir erzählt wurden und von der Souveränität, mit der diese Frauen ihre Rolle wahrnehmen. – Gut, dass wir solche Frauen haben in unserer Kirche, das dachte ich damals immer wieder.

Ich wusste zu der Zeit, dass Andrea Qualbrink sich für ihre Promotion Ähnliches – natürlich in viel umfangreicherem Ausmaß – vorgenommen hatte. Konzentriert hat sie sich im Studienteil Ihrer Arbeit auf Frauen mit hohen Leitungspositionen in deutschen Ordinariaten. Neun Frauen hat sie befragt – vor allem Theologinnen, darunter eine Gemeindereferentin, aber auch Nicht-Theologinnen. Vor dem Lesen der Studie war ich gespannt, ob sie in
den Interviews Ähnliches erfahren hat wie ich. Vor Augen standen mir auch Frauen in Leitungspositionen auf der oberen Ebene meiner Diözese und immer wieder kamen mir meine eigenen Erfahrungen in den Sinn, die ich 10 Jahre lang als Vorsitzende der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen im verfassten Bereich der Diözese Rottenburg-Stuttgart sammeln konnte. Dazu war ich natürlich nicht, wie die meisten der von Qualbrink interviewten Frauen, durch den Bischof berufen worden, sondern schlicht von den MAVen bzw. den Vorstandsmitgliedern gewählt worden. In diesem Amt ist man – auch wenn das dem Dienstgeber möglicherweise nicht immer bewusst ist – zusammen mit dem Vorstand für die Mitarbeiterschaft das Gegenüber des Generalvikars. Vergleichspunkte, was das Frausein in dieser Rolle angeht, gibt es durchaus, z.B. besteht die untere Ebene (Mitarbeiterschaft und MAVen in den Seelsorgeeinheiten) überwiegend aus Frauen. Bei MAVen der mittleren Ebene und in den DiAG- Vorständen der Diözesen sind Männer und Frauen etwa gleich häufig vertreten, was bereits nicht mehr dem zahlenmäßigen Geschlechterverhältnis der Mitarbeiterschaft entspricht. Auf Bundesebene sind wir Frauen deutlich unterrepräsentiert...

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Glückwunsch und Guacamole

von Dr. Andrea Qualbrink

Der Verband der Gemeindereferent*innen wird 25. Mit 25 ist ein Mensch schon ziemlich gut angekommen im Leben. Ausgebildete arbeiten schon seit Jahren; Studierte fangen an zu arbeiten. Das Privatleben wird langsam solider. 25-jährige ziehen aus der WG oder endlich bei den Eltern aus; Paare ziehen zusammen und fangen an, darüber nachzudenken, für immer zusammenzubleiben. Auf den Feiern am Wochenende gibt es immer häufiger selbstgemachte Guacamole statt Bier aus der Badewanne. Das Leben scheint sich zu etablieren. Aber all jene, die den 25. Geburtstag schon hinter sich haben, wissen: Die Herausforderungen und Veränderungen nehmen nicht ab.

Der Berufsverband der Gemeindereferent*innen hat sich und ist etabliert. Schon längst sind Gemeindereferent*innen eine Selbstverständlichkeit. Sie sind Kirche, sie sind ein elementares Gesicht von Kirche und sie gestalten Kirche mit, insbesondere in Gemeinden und mancherorts auch in der kategorialen Seelsorge. Ich gratuliere dem Verband ganz herzlich zu seinem Jubiläum und freue mich, anlässlich dieses Jubiläums eingeladen zu sein, über die Zukunft der Berufsgruppe zu schreiben. Ich tue dies als Referentin für Strategie und Entwicklung im Bistum Essen, als geschlechterbewusste Pastoraltheologin mit einem hohen Interesse an Personal-, Organisations- und Kirchenentwicklung und mit Hochachtung für die Arbeit in den pastoralen Diensten. Die relevante Frage des Verbands und an den Verband der Gemeindereferent*innen angesichts ihres 25. Geburtstags ist, wie es mit der Berufsgruppe der Gemeindereferent*innen weitergeht. Darum schaue ich nicht zurück in die Geschichte, sondern auf heute und in die Zukunft – und sehe Herausforderungen und Veränderungen.

Heute von der Zukunft her denken?

Auf heute und in die Zukunft zu schauen, das bedeutet, in einem ersten Schritt auf die Institution zu schauen, in der Gemeindereferent*innen tätig sind: die katholische Kirche. Die katholische Kirche in Deutschland befindet sich in einem umfassenden Transformationsprozess, der gravierende Folgen zeitigen wird, die wir zum Teil schon sehen, aber in ihrer Radikalität nicht überschauen – oder sogar lieber nicht überschauen wollen. Es ist nicht zu übersehen, dass die Volkskirche weitestgehend an ihr Ende gekommen ist. Sich zur Kirche zu zählen, hat keine Selbstverständlichkeit mehr. Ein sprechendes Bild unter anderen sind hierfür die Zahlen der Besucher*innen der Sonntagsgottesdienste, die seit Jahren massiv abnehmen. Menschen in der Postmoderne entscheiden sich für und gegen Angebote – und auch die christliche Botschaft ist zu einem Angebot unter vielen geworden. Die katholische Kirche hat ihre Definitionsmacht über Kosmos, Kommunität und Körper und damit den „automatischen“ Zugriff auf Menschen nach und nach verloren und ist auf die Zustimmung von Menschen angewiesen.

Jetzt zeigt sich allerdings noch eine viel fundamentalere Erschütterung der Kirche: Die Aufdeckung von sexualisierter Gewalt gegenüber Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durch Kleriker und Ordensmänner macht den unfassbaren Machtmissbrauch und die Pervertierung der christlichen Botschaft in der katholischen Kirche sichtbar. Der Kirchenhistoriker Hubert Wolf sieht in der aktuellen Situation der Kirche zu Recht eine historische Situation: „Ich halte diese Krise, wenn ich sie historisch anschaue, für größer als das, was in der Reformation passiert ist. (…) Eine Religion, die keine Glaubwürdigkeit hat, ist am Ende.“

Die Situation, in die hinein ich meine Gedanken über die Zukunft der Gemeindereferent*innen schreibe, ist mehr als unsicher. Wie lässt sich dieser pastorale Dienst in der Kirche von der Zukunft her befragen und auf die Zukunft hin entwerfen, wenn die Zukunft der Kirche infrage steht – nach dem Ende der Volkskirche und vielmehr noch in der fundamentalen Infragestellung ihrer Glaubwürdigkeit?

Dieser Fragehorizont muss und wird alle Überlegungen begleiten...

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